Solarmodule für 20 US- Cent/Wp- schon 2020 das neue „Normal“?

Solarmodule für 20 US- Cent/Wp- schon 2020 das neue „Normal“?

Die Entwicklung der Photovoltaik hat sich in den vergangenen 18 Monaten global beschleunigt wie nie zuvor. Das technische Feuerwerk erhöht gleichzeitig Flächeneffizienz und drückt massiv die Kosten. Auskömmliche Preise von 20 US Cent/Wp sind so schon 2020 für Module mit bis zu 10-15% höherer Effizienz als bei den heutigen polykristallinen 270 Wp „Arbeitspferden“ möglich- sagen Führungskräfte großer asiatischer Anbieter.

Was ist davon zu halten?

Einer der solaren Urväter auf der wissenschaftlichen Seite, Prof. Martin Green aus Australien, hat vor 2 Monaten im pv magazine global das Tempo der Photvoltaikindustrie bis 2016 mit dem einer Schnecke verglichen. Seitdem habe sie aber auf das Tempo der Halbleiterindustrie beschleunigt, was die massenhaften Innovationen in den großen Fertigungen erklärt. Auf unserem Forum Neue Energiewelt im November 2016 war die Expertenrunde noch zu dem Schluss gekommen, dass die Lernkurve bei Solarmodulen wohl bei ca. 20 US Cent/Wp auslaufen würde- je nach Einstellung der Experten „irgendwann“. Aber nichts ist in unserer Branche so konstant wie die permanente Überraschung. Angereizt durch den auf rund 100 GWp/a gewachsenen globalen Markt investieren alte wie neue Anbieter massiv in Forschung und Entwicklung, während sie gleichzeitig neue Verfahren beinahe monatlich massentauglich machen. Bei massiv wachsenden Fertigungen. Waren vor 10 Jahren z.B. noch 250 MWp/a Waferfertigung in der damaligen Conergy Fabrik in Frankfurt/ Oder eine echte Größe, so hat Longi angekündigt bis 2020 eine Mono- Wafer Produktionskapazität von 45 GWp/a auszubauen und diese Ankündigungen auch nach den aktuellen Änderungen in China`s Binnenmarkt bekräftigt. Denn, und daran habe ich keinen Zweifel aufgrund der Wettbewerbsfähigkeit der PV, der weltweite PV- Markt wird sich bis 2022 auf 200 GWp verdoppeln, so aktuelle Prognosen. Bis 2025 können 300 GWp/a erreicht werden.

Während derzeit der Fokus der technischen Beschleunigung in Asien, speziell in China, liegt und wir in der EU wegen der unsinnigen Zölle bei der Anwendung der neuen auf Monokristallinen Zellen basierenden Module noch abgekoppelt sind, tut sich auch in den USA und Deutschland in Sache innovativer Fertigungen etwas: Mit 1366 in den USA und der nexwafe in Deutschland schicken sich Tech- Unternehmen an die bisherige Herstellung von Wafern (durch Sägen) komplett auf den Kopf zu stellen: Beide wollen Wafer ohne Sägen in Massen herstellen, gelingt ihnen das wäre z.B. die Fertigung von Longi an vielen Stellen veraltet. Nexwafe hat in Bitterfeld eine Pilotfertigung von 250 MWp/a angekündigt und ich drücke ihnen die Daumen, dass ihr Verfahren funktioniert. Bei der danach nötigen Hochskalierung Richtung 50 GWp/a muss Deutschland und die EU dann zeigen ob sie solche technischen Sprünge begleiten will und somit eine Wiedereinstieg in den Bereich der Produktionsschritte Wafer- Zelle in der EU gelingt oder die Fertigungen wieder woanders hinziehen. Das Rennen ist hier möglicherweise bei allem derzeitigen Größenvorsprung in Asien neu eröffnet.

Und dieses Rennen ist gewaltig, nur so lässt sich auch die Kostenreduktion erklären- vom Silizium über Wafer bis zu Zellen und Modultechnik, überall sinken die Kosten. Und mit dem Markteinbruch in China sind auch die zuletzt sehr hohen Margen beim Silizium und den Wafern massiv gesunken was wiederum die heute noch ambitioniert klingende Preisansage für 2020 realistisch klingen lässt.

Wir sehen gerade auf den Weltmärkten (wohlgemerkt noch nicht in der Zoll- verzerrten EU) den rasanten Umstieg von Polykristallinen Modulen als Marktführer auf Monokristalline Module. Bereits Ende 2018 werden diese bei ca. nur noch 1 Cent/Wp höheren Kosten pro Wp einen Anteil von fast 60% in der globalen Produktion haben und mit ihren Effizienzvorteilen dann Poly noch weiter zurückdrängen.

Aus ganzen Zellen werden halbe und dann Schindeln- förmlich über Nacht stellen die Hersteller reihenweise auf die effizienteren Halbzellen um. Und schwupp: Aus dem Angebot über 270Wp Polymodule wird eine Angebot über 310 Wp Mono-PERC- Halbzellen Module. Und aus einer 250 kWp Dachanlage eine fast 300 KWp große Anlage- bei sonst gleichen BOS Kosten (außer Wechselrichter). Passt der Preis dann außerhalb der Zoll- Willkür, ist klar wo die Kaufentscheidung sehr schnell hingeht- zu Monomodulen.

Neben der Entwicklung in Richtung Mono passiert viel mehr rund um die Zellen und Module, einige Beispiele seien im folgenden kurz genannt. Aus vier Busbars werden 5,6, … Multi-Busbars, Bifacial wird normale Option von Modulen mit geringen Mehrkosten und je nach Preisgestaltung ohne Mehrpreis. Und wo diesen ihren Vorteil der aktiven Rückseiten einbringen können steigt die Effizienz gleich weiter. Das Tempo der Umstellungen ist auch hier atemberaubend.

In den kommenden 1-2 Jahren werden weitere Verfahrensverbesserungen in allen Stufen der Fertigung hinzukommen.

Bedeutet: Viel mehr Leistung auf der gleichen Fläche oder weniger Flächenverbrauch- und das sowohl an den Gebäuden als auch in den Kraftwerken.

Wow- all diese unterstreicht die Kraft der Technologie die schon jetzt mehr gehalten als sie je versprochen hat und dies so langsam auch in der EU wieder ankommt.

Ok, in Deutschland noch sehr langsam und das obwohl zur Umsetzung des neuen 32% Ziels der EU ab jetzt jedes Jahr 20 GWp/a in Deutschland installieren müssten. Es ist wirklich soviel nötig, vielleicht hatte Minister Altmaier deshalb das Ziel noch drücken wollen.

Aber dazu mehr in einem anderen Blog.

Karl-Heinz Remmers
02. Jul 2018