Solar- und Windausschreibung: Bürokratiemonster statt Systemgedanken

Wer dachte, dass mit den Vorschlägen für die Förderung des Mieterstroms in Bezug auf Komplexität bei gleichzeitigem Übergehen von technischen Chancen ebenso wie bei daraus entstehenden Restriktionen ein neuer Höhepunkt erreicht wäre, der sieht sich durch das 1. Eckpunktepapier zur Solar- und Windausschreibung erneut erschüttert.

So berichteten die Medien, dass Solar nun gegen Wind antreten soll. Und in der Tat wird mit der Vorlage jede Chance auf systemdienliche Solar- & Windhybride an einem Netzverknüpfungspunkt vertan. Es zählt im Grunde weiter nur der (dämlich) niedrigste Preis.

Liest man das Eckpunktpapier dann weiter, kommt aber doch noch sowas wie eine Art Systemgedanke. Eine „Verteilernetzkomponente“ soll Aufschläge auf die Gebotswerte bringen, wenn das Netz vor Ort schon zu voll ist – zwischen Wind und Solar soll dann regional ausbalanciert werden, dabei wird berücksichtigt, dass beides eben anders erzeugt. Was wir wo- hä?

Moment… Selbst nach zweimaligem Lesen habe ich es nicht verstanden, und das, obwohl ich mich mit dem Thema Solar-& Windhybrid seit 2013 beschäftigte, u.a. mit den veröffentlichten Überlegungen zu solchen Anlagen bis zum Gigawattmaßstab.

Offenkundig war es nicht in allen Ebenen zu vermitteln, dass die einfachste Kombination eben an einem gemeinsamen Netzverknüpfungspunkt läuft und man daraus formulieren könnte:

„Geboten werden darf nur,

  • wenn PV an einen bestehen Windenergie-Netzverknüpfungspunkt ohne weiteren Netzausbau gekoppelt wird
  • wenn Wind an einen bestehenden PV-Netzverknüpfungspunkt ohne weiteren Netzausbau gekoppelt wird
  • wenn Solar- und Wind-Leistung gemeinsam neu errichtet werden und dabei die maximale Wechselstromanschlussleistung maximal der Nennleistung des PV- oder des Windteils entspricht“

Damit hätte man automatisch dafür gesorgt, dass nur einmal ausgebaut wird, wenn überhaupt. Oder eben endlich mal Systemgedanken einfließen und bestehende Netze für Wind oder Solar doppelt genutzt werden – denn das gibt die komplementäre Erzeugung her. Das ist auch einfach vor Ort mit den eh zu installierenden Steuerungen zu steuern.

Oder ist das zu einfach? Muss man es total regulieren und baut dann doch zwei Leitungen – eine zur Windanlage, eine zur PV- Anlage? Kapiere ich nicht.

Am Ende ist das Ganze ja ohnehin eigenartig: Egal wer dabei gewinnt: dessen Zuschlagsleistung wird so wie so von der Leistung der Wind- oder Solarausschreibung abgezogen. Also kein System, keine extra Leistung in der Ausschreibung.

Zeit, dass im weiteren Verfahren besser zu machen! Oder anders: „It’s the system, stupid“!

Karl-Heinz Remmers
13. Mar 2017