Auf ein Wort… (November 2011)
Liebe Leserinnen und Leser,
das Thema Energiespeicherung ist spätestens seit dem erneuten Beschluss zum Atomausstieg Deutschlands auch für die stationäre Anwendung in aller Munde. Energiespeicher für Automobile werden bereits seit Jahrzehnten diskutiert und ausprobiert, seit einigen Jahren auch verstärkt in größeren Serien angeboten und von vollmundigen Ankündigungen der Hersteller für die kommenden Jahre begleitet. Dennoch ist es bis heute nur in Nischen und zu hohen Preisen möglich, funktionale Elektroautos zu erwerben. Der Massenmarkt ist noch nicht erreicht, erst recht nicht im Bereich der Elektrospeicher für Wind- & Solarenergie. Allerdings sind diverse dezentrale Photovoltaik-Speicher auf den Markt gekommen, seitdem im EEG der Eigenverbrauch – also im Grunde auch die Speicherung von Solarstrom – angereizt wird. Dies ist ein gutes Beispiel dafür, wie mit bestehenden Innovationsprogrammen neue Impulse gesetzt werden. Aber das ist noch lange nicht ausreichend.
Nun nimmt der Zug „Energiespeicher“ endlich etwas mehr Fahrt auch auf anderen Gebieten auf. Forschungs-, Markt- und Vernetzungsangebote von Bund, Ländern und Regionen schaffen ein breiteres Bewusstsein für die vielfältigen Techniken und potenziellen Systemlösungen. In kleinen Schritten vernetzen sich national wie auch international die verschiedenen Akteure zunehmend besser. Schließlich sind die Aufgaben gewaltig, da die großvolumige Stromspeicherung über Jahre hinweg nur ein Randthema war. Wie komplex das Thema ist, zeigt allein die Fülle von Systemlösungen und Schlagworten: nationale und internationale Pumpspeicher, Druckluftspeicher, Kavernenspeicher, Batterien mit verschiedenen Bauprinzipien (z.B. Blei, Lithium-Ionen, Redox-Flow), Wasserstoffspeicher, kombinierte Wasserstoff- & Biogasspeicherungen, Wasser- und chemische Speicher im Wärmebereich und vieles mehr. Es gibt eine große Anzahl erfolgversprechender Ansätze, aber neben der Entwicklung des reinen Speichers muss die Systemfrage zügig mitbearbeitet werden, um ein vollständiges Bild zu erhalten und die Entwicklungen der Kernkomponente Speicher auch zielgerichtet umzusetzen.
Wenn die hohen Erwartungen an einen schnellen technischen Fortschritt erfüllt werden sollen und gleichzeitig ein positiver Impuls für den Standort Deutschland erwünscht ist, muss die Politik mehr Mut zeigen. Es gilt, für alle Bereiche der Energiespeicherung ein dem EEG vergleichbares Gesetzeswerk zu schaffen, das eine dauerhafte und massive finanzielle Unterstütung sowie sichere, juristische Rahmenbedingungen für die Anwendung von Energiespeichern schafft.
Wie für alle Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien wird auch für die Solarpraxis AG die Energiespeicherung eine zentrale Rolle für die weitere Entwicklung spielen. Wir werden daher unsere Fähigkeiten und Angebote in diesem Bereich intensiv ausbauen. Ein erster Schritt ist die interdisziplinäre Konferenz Energy Storage – International Summit for the Storage of Renewable Energies, die wir gemeinsam mit der Messe Düsseldorf ausrichten. Der Fokus der Konferenz mit begleitender Fachausstellung, die vom 13. bis 14. März 2012 in Düsseldorf Premiere hat, liegt auf der praktischen Umsetzbarkeit. Vertreter aus Forschung, Industrie, Politik und Energieversorgung kommen zusammen, um marktfähige Anwendungen und innovative Konzepte zur Energiespeicherung sowie deren Potenziale und Finanzierbarkeit zu beleuchten. Ziel ist es, eine Roadmap zur Rolle marktfähiger Speichertechnologien bei zukunftsfähigen Energieszenarien zu skizzieren.
Sowohl auf unseren Konferenzen als auch in unseren Magazinen photovoltaik und pv-magazine werden wir künftig intensiver über dieses hochspannende Themenfeld berichten.
Ihr Karl-Heinz Remmers

