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Auf ein Wort… (Januar 2012)

Liebe Leserinnen und Leser,

zum neuen Jahr wünsche ich Ihnen vor allem gute Gesundheit! Außerdem hoffe ich, dass Sie einen guten Start hatten.

Der Photovoltaikbranche wünsche ich zudem weiterhin starke Nerven, denn das neue Jahr startet, so wie es aussieht, mit einem Paukenschlag: In einem furiosen und auch von mir nicht erwarteten Dezember-Endspurt scheint sich das Marktvolumen (auf Basis neu installierter Leistung) nach ersten Angaben der Bundesnetzagentur, des Bundesumweltministeriums und des BSW-Solar auf das Vorjahresniveau katapultiert zu haben. Ein großer Erfolg, wenn er auch die ewig gestrigen Gegner der Photovoltaik erneut auf den Plan rufen wird. Sie werden nun noch lauter nach einer Eindämmung der Photovoltaik verlangen und dabei vornehmlich Kostenargumente bringen, die allerdings Geschichte sind. Und im Nebensatz wird dann erwähnt, dass man den Netzausbau für die Erneuerbaren ja gar nicht so schnell schaffen kann und daher eine Deckelung vor allem der Photovoltaik nötig ist. Es ist klar, dass hinter diesen Attacken der Versuch steht, die Energiewende komplett scheitern zu lassen und dabei auch die Wind- und Bioenergie kaputt zu reden. 

Ähnliches musste auch schon die Windenergie an Land erleben, die man in jeder machbaren Form madig gemacht hat, zugunsten der wesentlich teureren Prototypentechnik Offshore-Windkraft, um in diesem Bereich großen Versorgern ein Überleben zu sichern. Das ist Insidern hinlänglich bekannt. Mit der gerade erfolgten Vergütungskürzung von 15 Prozent, mit dem Zuwachs der Photovoltaik im Jahr 2011 und den daraus für 2012 und 2013 bereits heute beschlossenen weiteren Vergütungssenkungen um wahrscheinlich 24 Prozent bis zum 1.1.2013 (15 Prozent zum 1.7.2012, neun Prozent zum 1.1.2013) hat sich die Kostensituation aber komplett verändert. Fast 40 Prozent Absenkung einer Vergütung binnen zwölf Monaten und einem Tag ist Rekord und verändert die Energielandschaft völlig.

Solarstrom wird zum sofort verfügbaren Billigmacher

Sowohl von technischer als auch von Marktseite kann Photovoltaik-Strom derzeit durchaus 1,5 bis 2 Atomkraftwerke pro Jahr ersetzen – sicher wäre auch ein Vielfaches davon machbar. Die Technik ist jedenfalls sofort verfügbar. „Zu Horrorkosten, um Gottes Willen, seid Ihr denn wahnsinnig?“, kommt spätestens jetzt der Einwand. Fragt man dann diesen Kritiker, was Photovoltaik-Strom kostet, kommt meist die Antwort „über 40 Cent“. Dies ist Geschichte. Denn heute gibt es für den Strom eine Vergütung von nur noch 17,9 bis 24,4 Cent je Kilowattstunde. Also auch bei kleinen Hausdachanlagen weniger als Viele für ihren Strom bezahlen! Und schon am 1. Juli 2012 werden es wohl 15,25 bis 20,77 Cent sein. Anfang 2013 werden es dann nur noch etwa 13,6 bis 18,5 Cent je Kilowattstunde sein.

Damit wird eine kleine Hausdachanlage in Kürze eine geringere Vergütung erhalten als eine Offshore-Wind-Anlage und viele Bionergieanlagen. Die großen Dach- und Freilandanlagen haben bereits jetzt Offshore-Wind unterboten und werden das in Jahresfrist weiter ausbauen. Wohlgemerkt: ohne die Milliarden, die für den langwierigen Ausbau der Netze für Offshore-Wind nötig sind und mit ausgereiften Produkten – nicht mit Prototypen. Und da (zumindest bisher) niemand auf die Idee kommt, einen Deckel für Windkraftanlagen vor der Küste zu fordern, sollten die lautstarken Kritiker ganz ruhig sein, denn alle ihre vergleichenden und diffamierenden Argumente sind bereits jetzt falsch und werden jeden Tag unglaubwürdiger.

Neben der Windkraft an Land, der mit dem Abbau von behördlichen Auflagen endlich die Möglichkeit zu massivem Wachstum zurückgegeben werden muss, ist nun die Photovoltaik der Billigmacher im EEG. Das liegt daran, dass die Vergütungssätze, die kurzfristig gesetzlich festgeschrieben werden, immer weiter unter jene für Offshore-Wind- und viele Bioenergieanlagen fallen.

Also Schluss mit der Photovoltaik-Kostenlüge! Weder die Verbraucher noch die Industrie – die sowieso weitgehend von der Zahlung der EEG-Umlage befreit ist – zahlen ab 2012 noch das meiste Geld für die Stromgewinnung aus Solarenergie. Die Photovoltaik ist nicht länger die richtige Adresse, wenn es um die hohen Kosten der Energiewende geht.

Und Schluss mit dem Kleingerede durch die Bundesregierung! Warum muss ein Wachstumskorridor von 3,5 Gigawatt  für die Photovoltaik gelten? Vollgas ist angesagt, denn wir wollen bis zum Jahr 2020 zwölf Prozent Solarstrom im deutschen Netz haben. Das ist auch mit Sicherheit zu schaffen. Und dazu noch billiger als erwartet, denn schon am 1.Juli 2013 kommt planmäßig die nächste EEG-Absenkung.

Krise trotz Jahresendrally

Bei all der Euphorie: Am Ende des Jahres 2011 stand gegenüber 2010 dennoch ein Umsatzrückgang der Branche in Deutschland von 30 bis 35 Prozent. Logischerweise drücken sich niedrige Vergütung und niedrige Systemkosten im Umsatz aus. Das ist alleine schon Grund genug für eine Krise – gleiches Marktvolumen in Gigawatt ist eben nicht gleicher Umsatz. Krise und Markt auf Vorjahresniveau passen also zusammen. Und natürlich haben auf allen Stufen der Wertschöpfung massiv ausgebaute Kapazitäten dazu beigetragen, dass auch enge Beobachter zwar einen kleinen Boom gesehen haben, aber dennoch von der Wucht der beiden letzten Monate überrascht wurden. Der gesamte Markt kann dank Lern- und Skaleneffekten einfach immer schneller immer größere Mengen produzieren und installieren.

Die grandiose Jahresendrallye zeigt aber, wie groß auch weiterhin das Potenzial der Photovoltaik ist, schnell und immer billiger saubereren Solarstrom bereitzustellen. Das zweite Halbjahr 2009 und das Jahr 2010 waren also doch keine Eintagsfliegen, obwohl viele Topdächer belegt sind und die Ackerflächen aus der Freilandvergütung verschwunden sind. Dies ist keine Überraschung, wenn man das hohe Gesamtpotenzial an Dach-, Fassaden- und Konversions- sowie „wertlosen“ Flächen ansieht. Ja, die Photovoltaik kann binnen eines Jahres mehr als 1,5 Prozent der Stromversorgung erneuern. Das ist von allen politischen Parteien zumindest verbal auch so gewollt. Wegen der einfachen Umsetzung und geringen oder nicht vorhandenen Auswirkungen auf die Umwelt sind Photovoltaikprojekte extrem schnell umsetzbar – verglichen mit klassischen Investments im Energiebereich. Zumal sich die Anlagen im Gros noch immer in das Niederspannungsnetz integrieren und dort massive Ausbaumöglichkeiten mit geringsten Mitteln (z.B. durch erweiterte Wechselrichterfunktionen oder günstig zu ersetzende Ortsnetztrafos) umsetzen lassen. Große Dach- oder Freilandanlagen werden in der Regel ebenfalls in verbrauchernahe Mittelspannungsstrukturen integriert, auch hier ermöglicht die Dezentralität einen schnellen Ausbau mit vertret- und leistbarer Technik beziehungsweise Netzanpassungen.

Die PV-Crowd: Dezentralität in Reinstform

Die einzige echte dezentrale Energieform funktioniert dabei immer mehr wie Bewegungen im Internet. Die dort „Crowd“ genannte Bewegung kann eben nicht nur Facebook-Partys feiern, sondern bereits heute werden über das Internet mehr und mehr Finanzierungen direkt gemacht, ohne Banken, sondern über die Crowd. Es scheint, als sei dies erst der Anfang von systemverändernden Organisationsformen einer vernetzten Welt. Nun schaffen rund 1,1 Millionen Betreiber von Solarstromanlagen etwas, was die großen Vier der veralteten Energieversorgung trotz ihrer hohen Marktanteil niemals könnten: mehr als 70 Milliarden Euro an Neuinvestitionen in drei Jahren. Die PV-Crowd kennt dabei keine Limits durch Finanzierungen, denn viele kleine Finanzierungen erbringen die großen Masse.

Die Crowd ist außerdem schnell, da Zehntausende Handwerksbetriebe die Kraftwerke installieren können und weltweit Abertausende Unternehmen eine oligopol- und monopolfreie Lieferstruktur bilden. Diese ist extrem flexibel, so dass auch langjährige Insider immer wieder komplett überrascht werden. Die PV-Crowd ist aber gleichzeitig kaum in ihrem Marktverhalten zu prognostizieren. Welche Stimmungs- und Marktlagen zu einem „Zünden“ und „Abkühlen“ des Marktes führen, ist zumindest bisher nicht genau beschrieben. Das produziert Marktkrisen und Rallyes im Monatsrhythmus. Die PV-Crowd wird auch in den nächsten Schritten Speichermöglichkeiten vor Ort schaffen. Kaum zu verstehen für Insider, für die Außenwelt vollkommen unklar und für die Verlierer der Energiewende die Hölle auf Erden – denn die PV-Crowd lässt sich eben nicht aufhalten. Daher auch der erneute klare Appell von meiner Seite, diese Zusammenhänge immer und immer wieder in die Öffentlichkeit zu tragen, denn nach wie vor ist der Großteil der Bevölkerung von der Technik begeistert.

Eine neue Markt- und Kostenrealität

Statt die Forderung nach „weniger Photovoltaik“ abzuwehren, muss die Branche mit vollem Selbstbewusstsein die neue Realität erkennen und vermitteln. Diese heißt: Für immer mehr Bürger wird es noch in diesem Jahr interessant werden, den selbst erzeugten Strom auch selbst zu nutzen. Damit meine ich nicht die Eigenverbrauchsregelung im EEG, die rasch in einen „intelligenten Netz- & Speicherbonus“ überführt werden sollte, da sie aufgrund der massiven Vergütungssenkungen unter den Strompreis privater Haushalte in Kürze überholt sein wird. Ich meine vielmehr den Aufbau von aktiven Vermarktungselementen für die Photovoltaik –  mit und ohne feste Vergütung. Denn die Zeit ist reif, spätestens ab dem 1. Januar 2013 für kleine Anlage andere Alternativen zu bieten. Dies gilt bald auch für die Vermarktung des Stroms aus Großanlagen. Dabei muss die Branche weitere Spielräume in den Kosten auch direkt an die Mitbürger weitergeben – in Form von niedrigeren Strompreisen und damit Vergütungen.

Ja: „PV ist teuer“ war gestern. Sagen Sie es allen: Photovoltaik-Strom ist der Möglich- und Billigmacher der Energiewende in Bürgerhand!

Ihr Karl-Heinz Remmers

© 2012 Solarpraxis AG

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