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Auf ein Wort… (Editorial Octoberber 2011)

Liebe Leserinnen und Leser,

die kommende EEG-Novelle wird für das Jahr 2012 und darüber hinaus planbare Rahmenbedingungen für die Solarförderung schaffen. Allerdings sind diese Bedingungen im Markt offenbar kaum richtig klar geworden. Die Rechtssicherheit wird erhöht, die Förderung bleibt unlimitiert – allerdings sind die kommenden Senkungen deftig und erfolgen schneller als bisher. Die deutsche Regierung geht nun endgültig auf´s Ganze in ihrem Bestreben, den Photovoltaik-Markt in einem Korridor von etwa 3,5 Gigawatt pro Jahr zu halten und gleichzeitig ein Maximum an Kostensenkung zu realisieren.

So wird die Förderung zum 1. Januar 2012 in Abhängigkeit vom Marktvolumen bis zum 30. September 2011 formal um neun Prozent plus maximal weitere 15 Prozent abgesenkt. Viele Beobachter stellen sich bei Betrachtung des derzeitigen Marktes auf eine Senkung um etwa 15 Prozent ein und planen damit für das Jahr 2012. Das kommende Jahr wird aber programmgerecht anders als die Vorjahre: Eine weitere Absenkung zum 1. Juli 2012 steht bereits an und diese könnte leicht erneut 15 Prozent betragen, wenn zwischen dem 1. Oktober 2011 und dem 30. April 2012 beispielsweise vier Gigawatt installiert werden. Darauf sollten sich die Marktteilnehmer besser schon jetzt einstellen. Damit kommt nun aber der vielfach missgedeutete Begriff „Grid Parity“ schneller zum Tragen als bisher gedacht: In ungefähr neun Monaten beträgt die EEG-Vergütung für Hausdachanlagen mit weniger als 30 Kilowatt Leistung nur noch etwa 22 Cent pro Kilowattstunde. Damit ist dann die Vergütung geringer als der Stromtarif für viele Endverbraucher. Photovoltaik-Freiflächenanlagen in einem Gewerbegebiet liegen dann nur noch bei knapp 15 Cent pro Kilowattstunde und damit vergleichbar mit den weit ins Meer gebauten Offshore-Windparks. Und das wohlgemerkt alles unter den Einstrahlungsbedingungen Deutschlands. Diskussionen um weitere Fördersenkungen oder zu hohe Kosten für Solarstrom dürften damit noch unsinniger werden als bisher. Es wird allerdings hart werden, sich unter diesen Bedingungen in einem breiten Markt zu behaupten. Schon heute schreiben viele Unternehmen rote Zahlen oder stehen kurz vor Verlusten. Die Bundesregierung riskiert mit den nächsten von ihr geplanten Schritten vor allem die Existenz von kleinen und mittelständischen Solarunternehmen. Außerdem hat die Regierung mit dem EEG 2012 nur sehr zaghafte Ansätze zur weiteren Entwicklung des Marktes formuliert. Es müssen dringend Voraussetzungen für die weitere Netzintegration und die Nutzung lokaler Speicher geschaffen werden. Zudem müssen die Vergütungen für die Übergangszeit und die Zeit danach geregelt werden. Vor allem aber brauchen wir neue Finanzierungs-, Vertriebs- und Marketingstrukturen, nicht nur in Deutschland, auch weltweit. Denn niedrigere Kosten für Photovoltaikanlagen sorgen nicht nur für neue Märkte, sondern auch für völlig neue Marktnotwendigkeiten.

Ihr Karl-Heinz Remmers

© 2012 Solarpraxis AG

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